STADLPOST

© Philipp Kaiser
7. Juli 2017

Die Mayerin: „Ich hab mich gfühlt wie a Abwaschfetzn“

Als Mia Koller trat sie 2011 mit der „BandWG“ beim Vorentscheid zum Song Contest auf. Damals noch mit wild aufgetürmten Haaren. Inzwischen ist Ulrike Mayer zur erfolgreichen Künstlerin gereift und präsentiert als „Die Mayerin“ mit der Single „Guade Söh“ ihr musikalisches Erstlingswerk. Stadlpost traf die sympathische Sängerin in Wien zum ganz persönlichen Interview! Der Authentizität wegen haben wir ihre Antworten weitgehend in ihrem burgenländischen Dialekt belassen.

 

 

Stadlpost: Zuerst einmal Herzlichen Glückwunsch zum tollen Einstieg in die Airplay Charts, Platz sechs hinter Helene! Wie fühlt sich das an?
Die Mayerin: Es fühlt sich total gut an und is das, was ich mir immer gwunschen hab. Dass die Single wirklich so gut ankommt und die Radios ‚Guade Söh’ auch landesweit so konsequent und konstant spielen – das is a große Ehre für mich.

Stadlpost: Du bist keine Unbekannte im Musik-Geschäft, als „Die Mayerin“ aber ganz anders als die Frontfrau Mia Koller bei „BandWG“? Wo siehst du für Dich persönlich da den größten Unterschied?
Die Mayerin: Der Unterschied is der, dass mein früheres und jetziges  Leben komplett konträr san. BandWG und Frontfrau Mia Koller – das war zu meiner Studienzeit; ich hab damals in Wien gwohnt während des Psychologiestudiums. Das war meine Auslebe-Phase, meine zweite Pubertät sozusagen… Haare auftoupieren, mit engen, bunten, türkisfarbenen Strumpfhosen durch die Gegend rennen. ‚Die Mayerin’ ist das, was ich jetzt bin… Ich bin verheiratet, hab Kinder, leb in einem Haus. Und ich wohn wieder in Wimpasing an der Leitha, im Dorf, wo ich aufgwachsen bin. Das sind zwei Welten!

 

Mit bandWG stand sie als Mia Koller 2011 auf der Bühne.

 

Stadlpost: Dein Lied „Guade Söh“ macht so richtig gute Laune. Es wirkt so leicht, aber auch kraftvoll zugleich. Wieviel Ulrike steckt in diesem Lied und woran erkennst Du eine gute Seele?
Die Mayerin: In dem Lied stecken echt 100 Prozent Ulrike. Ich hab den Text selber verfasst und das Lied in einem Moment gschriebn, in dems mir eigentlich gar ned so gut gangen is und ich mich irgendwie gefühlt hab, ich sag’s jetzt einfach so, wieein Abwaschfetzn. Ich war damals megagestresst und überfordert vom ganzen Drumherum, Kinder, Hausbau und so weiter. Und dann hab ich mir dacht, eigentlich ist es ein Wahnsinn. Ich kann jeden Tag jemanden anrufen und mich ausraunzen oder ausweinen. Es ist immer irgenda gute Seele in meiner Nähe, die das Richtige sagt – immer und zu jeder Zeit. Ich hab damals das Bedürfnis ghabt, diesen guten Seelen danke zu sagen. Und dann hab ich mich gleichzeitig wieder dran erinnert: ,Hey, du bist ja selber so eine gute Seele. Du hast ja die Kraft selber in dir, dass du für jemand anderen stark sein kannst.’ Irgendwie hat mich dieses Lied aus meinem eigenen Tief gerettet.
Stadlpost: Quasi Psychotherapie, Selbsttherapie?
Die Mayerin: Es heißt ja, dass Songschreiben eine Art von Selbsttherapie ist. Ich erlebe das schon, dass meine Lieder sehr viel Kraft erwecken können beim Zuhörer und in mir selber natürlich auch.
Stadlpost: Und wer sind die guten Seelen um Dich herum?
Die Mayerin: Da sind natürlich mein Mann, meine Kinder, meine Mama und mein Papa, meine beste Freundin Claudia. Ich hab ganz viele Leute, die bedingungslos da san. Nämlich ned nur, wenn’s mir schlecht geht, sondern a, wenn’s mir gut geht. Das ist ja dann auch so ein Punkt: Dass sich meine Freunde a herzlich mit mir mitfreuen können, wenn ich was schaffe. Ich hab Gott sei dank ganz viele gute Seelen um mich herum! (lacht).

 

Die Mayerin beim Videodreh zu „Gude Söh“

 

Stadlpost: Was passiert mit Dir wenn du singst? Du warst ja als Kind immer schon sehr nah an der Musik und hast damals auch schon im Fernsehen Auftritte gehabt. Was geht da in Dir vor?
Die Mayerin: Es bringt mich irgendwie in eine ganz andere Welt. Also ich merk, wenn ich sing, dann fliege ich irgendwie so ummadum, das klingt jetzt irgendwie seltsam, aber ich fühle mich da irgendwie verbunden. Ein er meiner Songs heißt „Zwischen Himmel und Erden“ und wenn ich singe, fühlt sich das genauso an. Dass ich verbunden bin mit dem Himmel und mit der Erden. Es verbindet mich auch mit irgendetwas Größerem. Und es  bringt mich komplett in mei eigene Mittn.
Stadlpost: Die singende Psychologin aus dem Burgenland: Heilst Du auch manchmal Deine Patienten mit der Unterstützung von Musik?
Die Mayerin: Absolut, auch in meiner Praxis ist Musik etwas, das nicht wegzudenken ist. Ich mach zum Beispiel Visualisierungsreisen, ich arbeite mit inneren Bildern und wenn man das unterstützt mit guter Musik, die einen dann noch mehr in die eigene innere Welt bringt oder tiefer ins Unterbewusstsein, dann hilft das natürlich sehr. Ich mach aber auch Popmusic-Workshops für Kinder, wo es drum geht zu singen, zu tanzen und den Selbstwert zu stärken. Ich könnte mir das nicht vorstellen, meine Arbeit als Psychologin zu machen ohne Musik, in vollkommener Stille. Das wär dann ned authentisch für mich.
Stadlpost: Du bringst also Deine Musik schon auch ein in Deinen Beruf?
Die Mayerin: Na ja, ich spiele jetzt nicht allen Klienten meine Songs vor. Sondern ich hab dann halt meine Lieder, die für die Beratung passen. Aber es war tatsächlich schon einmal so, dass ich einer Patientin „Guade Söh“ vorgspielt hab und sie is bis heute total begeistert, weil das irgendwas in ihr bewegt hat.

 

Singen war schon als Kind ihre große Leidenschaft.

 

Stadlpost: Was sagt Dein Mann zu dem künstlerischen Weg. So wie ich das jetzt verstanden habe, unterstützt der Dich ja zu hundert Prozent …
Die Mayerin: Ja, er unterstützt mich zu hundert Prozent. Das Projekt gäbe es ja ohne ihn gar ned, denn ohne ihn würde ich ja ned „Die Mayerin“ heißen. Es begann damit, dass ich ihm letztes Jahr anlässlich unserer Heirat einen Song gschrieben hab: Eben den Titel „Zwischen  Himmel und Erden“, der übrigens die nächste Single wird. Und ich hab ihm den zur Hochzeit vorgsungen. Das war eigentlich der Moment, wo alle – er eingeschlossen – gesagt haben ‚He, du musst wieder was machen. Das muss raus in die Welt, weil das einfach so echt ist und so authentisch. Und ich hab Gott sei dank meinen Mann im Rücken. Er schaut auch auf die Kinder, wenn ich unterwegs bin. Er ist  voll dabei.
Stadlpost: Woher nimmst Du Deine Inspiration und wer sind Deine musikalischen Vorbilder?
Die Mayerin: Also die Inspiration nehme ich aus dem echten Leben. Ich sing über Themen, die mi beschäftigen. Ein Lied ist zum Beispiel über Freundschaft, in einem anderen Song verarbeit ich den Tod meiner Großeltern. Es geht um meine Ängste, meine  Sehnsüchte, meine fröhlichen Momente. Meine Vorbilder san genau die Künstler, die ehrlich san und die ihr eigenes Ding machen. Zum Beispiel Gregor Meyle, der beeindruckt mi total, weil der au so natürlich is. Als Kind hab ich ganz viel Rainhard Fendrich und Eros Ramazzotti ghört. Ja ich höre eigentlich privat hauptsächlich deutschsprachige Musik, ob es jetzt Mundart ist oder Hochdeutsch. Ehrliche erdige Musik taugt mir.

 

Die Mayerin: „Bei meinem Presse Foto Shooting und meinem Singelcover Shooting sind wir irgendwann draufgekommen, dass ich den besten Grinser draufhabe, wenn ich während dem Abdrücken vom Fotograf ‚Stadlpost‘ sag!“

 

Stadlpost: Du machst ja Pop mit Austro Texten laut deiner Homepage. Wie wichtig ist es Dir, im Dialekt zu?
Die Mayerin: Im Moment ist es so, dass es im Dialekt einfach total sprudelt. Ich kann genau das sagen, was ich mein, gradaus und ohne viel zu überlegen. Ich habe ja früher in Hochdeutsch geschrieben bei BandWG. Das war immer so eine Geschichte: Welche Metapher findest, um dein Gefühl in ein wunderschönes Bild zu verpacken, damit es nicht zu einfach klingt. Im Dialekt kannst du eben einfach sagen ‚He, i mog di, wir san füreinander bestimmt’ oder ‚Du bist mei guade Söh’ und ich glaube, dass die Texte halt einfach deshalb so tief hineingehen, weil sie halt ehrlich herausgesagt sind. Und das taugt mir gerade sehr! (lacht)
Stadlpost: Von welchen Themen singst Du am liebsten?
Die Mayerin: Ich merk, dass ich ganz stark dazu neig, so Motivationssongs oder Motivationstexte zu schreiben. In einem neuen Song, den’s erst ganz frisch gibt, ist zum Beispiel der Refrain: ,Du hast alles in dir im Jetzt und Hier, du bist a Sieger, lass da nix anders dazön, von wem der ned versteht, wie’s geht’. Also ich neig dazu, Texte zu schreiben à la ‚Leb dein Potential, du schaffst das!‘ Des is halt auch das, was ich von meinen Eltern als Kind dauernd ghört hab: Wir werden di immer unterstützen. Meine Mama hat immer gesagt, träume nicht vom Leben, lebe deinen Traum. Und wahrscheinlich ist das jetzt mei Auftrag, das irgendwie weiterzugeben, was meine Eltern mir mitgebn haben.
Stadlpost:  Was macht für Dich einen perfekten Tag aus?
Die Mayerin: Ein perfekter Tag würde mit Ausschlafen beginnen. Das ist zur Zeit leider ned möglich, weil die Kinder schon um halb neun im Kindergarten sein müssen. Ansonsten ist ein perfekter Tag, wenn ich meinen Mann und die Kinder um mich hab, am Abend ein Mayerin-Konzert spiel, zwischendurch gutes Essen beim Heurigen und  natürlich Sonnenschein.

 

„Über den Sommer werden wir das Album fertig produzieren und da soll dann Herbst/Winter erscheinen und dass ist jetzt mal die höchste, die wichtigste Priorität.“

 

Stadlpost: Jeder Mensch hat ja ein seelisches Grundmuster ein Leitmotiv das ihn antreibt. Welches ist Deines?
Die Mayerin: Mein seelisches Leitmotiv ist, glaube ich, die Selbstliebe. Ich bin scho mein ganzes Leben damit beschäftigt, Selbstliebe zu lernen und mi selber ned zu vergessen. I neig dazu, zu viel auf die Bedürfnisse von anderen zu schauen und meine eigenen außen vor zu lassen.
Stadlpost: Das war ja mal sehr Interessant. Ich sage einmal Danke!

 

 

 

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